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Stearman PT-13D Kaydet

Doppeldecker-Schulflugzeug des Flugzeugherstellers Stearman Aircaft Company

Die Vereinigten Staaten und mehrere alliierte Nationen verwendeten den Stearman Kaydet von den späten 1930er Jahren bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs als Standard-Trainer. Ursprünglich 1933 von Lloyd Stearman für den zivilen Markt entworfen, erhielt sie die Bezeichnung PT-13 Kaydet, als sie 1936 vom US Army Air Corps übernommen wurde. Zwei Jahre später kaufte die Boeing Airplane Co. die Stearman Co. und produzierte weiterhin viele Versionen des Kaydet mit verschiedenen Motoren. Diese Flugzeuge mit einem Lycoming-Triebwerk wurden als PT-13 bezeichnet, mit einem Continental-Motor als PT-17 und mit einem Jacobs-Motor als PT-18. Eine spätere Version mit Cockpithaube wurde als PT-27 bezeichnet.

 

Die Kaydet war bei den Flugschülern sehr beliebt und bildete während des Zweiten Weltkriegs viele tausend Piloten aus. Nach dem Krieg ließ die US Army Air Force Kaydets zugunsten modernerer Trainer auslaufen. Von den mehr als 10.000 für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten bestellten Kaydets waren über 2.100 PT-13 für die USAAF. Der PT-13D des Museums wurde 1959 von Boeing gespendet und ist so bemalt, wie er vom Fließband lief.

Spannweite9,8 m
Längeca. 7,4 m
Höhe2,8 m
OriginalmotorContinental R-670
Leistung220 PS
Höchstgeschwindigkeit200 km/h
Reichweite810 km
Leergewicht880 kg
Max. Startgewicht1230 kg
..
.Versionen der US Army Air Corps:
PT-13mit Lycoming R-680-5 (215 HP)
PT-13Amit Lycoming R-680-7, verbesserte Instrumentierung (220 HP)
PT-13Bmit Lycoming R-680-11
PT-13Czusätzliche Instrumentierung für Nachtflug
PT-13Dmit Lycoming R-680-17
PT-17mit Continental R-670-5
PT-17ABlindflugausrüstung
PT-17Blandwirtschaftliche Sprühanlage
PT-18mit Jacobs R-755-7
PT-18ABlindflugausrüstung
PT-27Exportversion nach Kanada, Winterausstattung
.Versionen der US Navy:
N2S-1Continental R-670-14
N2S-2Lycoming R-680-8
N2S-3Continental R-670-4
N2S-4Continental R-670-5
N2S-5Lycoming R-680-17

Im Jahr 1927 gründete Lloyd C. Stearman durch die Übernahme der Geschäftstätigkeiten und des Personals der Firma Lyle-Hoyt Aircraft seine Firma Stearman Aircaft Company in Kalifornien. Daher der Name Stearman.

 

Im September 1934 wurde diese Firma gezwungen, die Geschäftsbereiche Fluggesellschaft und Flugzeugherstellung zu trennen. Die Firma Stearman Aircraft Company wurde daher von Boeing erworben. Aus den “Stearman-Werken” wurde eine Tochtergesellschaft von Boeing. Diese übernahm also die weitere Fertigung von dem ursprünglichen Konstrukteurs. Somit bekam dieser Doppeldecker die Bezeichnung “Boeing Stearman”.

 

Ein Bedarf an neuen Schulflugzeugen für die US Armee führte im Jahre 1934 zur Entwicklung und zum Bau eines Prototyps unter der Bezeichnung Stearman X-70. Im Dezember startet der in Gemischtbauweise gefertigte Doppeldecker zum Erstflug.

 

Der Prototyp erwies sich als sehr robust mit gleichzeitg guten Flugeigenschaften. Das einstielige Tragwerk war primär aus Holz konstruiert und mit Stoff bespannt. Die Zelle bestand aus einem Stahlrohrgerüst, dass ebenfalls in weiten Teilen mit Stoff bespannt wurde. Die gestaffelten Tragflächen haben fast die gleichen Länge. Das unverstrebte und solide dimensionierte Hauptradwerk ist mit verkleideten Ölfedern-Stoßdämpfern ausgestattet.

 

Die US-Navy testete das Modell X70 im Jahre 1934 und nach zögerlichen Ausschreibungen des US-Militärs folgte im Juli 1935 der erste Auftrag zum Bau von 26 PT-13, obwohl schon zu damaliger Zeit ein Design als Doppeldecker bereits veraltet war.

 

Danach folgten weitere (ca.) 100 Bestellungen, jedoch mit der Auflage, dass man die im Beständen der Navy vorhandenen Sternmotoren Wright-J5 bzw. Wright R-790-8 einbauen soll. Diese Serie wurde von der Navy als Modell N2S-1 geführt, bzw. bekam vom Hersteller die Bezeichnung „Modell 73„. Die ersten Bestellungen des verbesserten Modells 75 fanden seitens der US-Arme im Jahre 1936 statt.

 

Aufgrund der Kriegsgeschehnisse und der damit verbundenen hohen Piloten-Nachfrage gab es auch einen großen Bedarf an Schulflugzeugen. Sowohl die USAAF also auch die US-Navy überschwemmten Boeing mit Fertigungsaufträgen. Schließlich wurden weit über 10.000 Boeing Stearman in den unterschiedlichsten Versionen gebaut.

 

Der Unterschied lag jedoch hauptsächlich in dem verwendeten Antrieb. Stearmans wurden u.a. ausgestattet mit Sternmotoren von Lycoming (PT 13), Continental (PT 17) oder Jacobs (PT 18). Die bekannteste Variante war jedoch die PT-17, von der etwa 3.600 Flugzeuge zur Schulung der angehenden Piloten gebaut wurden. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Flugzeuge mit dem Antrieb von Pratt & Whitney mit 450 HP aufgerüstet.

 

Das US Army Air Corps setzte sie mit den Bezeichnungen PT-13, PT-17 und PT-18 Kaydet als Flugtrainer ein, bei der United States Navy als N2S. Von der PT-27 wurden 300 ab 1942 zur Royal Canadian Air Force exportiert, von der PT-17 gingen 150 Stück nach China (einschließlich Lizenz zum Nachbau) und insgesamt rund 50 nach Brasilien, Dominikanische Republik, Guatemala, Kuba und Venezuela.

 

Etwa 2.100 Maschinen wurden nach 1945 als Sprühflugzeuge in der Landwirtschaft eingesetzt. Dazu wurden die Flügel mit Metall verkleidet, da die Chemikalien der Landwirtschaft die Leinenbespannung angegriffen hätten. Danach wurden die meisten Maschinen verschrottet. Erst später begann man, die letzten vorhandene Flieger zu restaurieren. Sie fanden dann die Verwendung im Kunstflug oder bei „Walking-Shows“ in zahlreichen Airshows.

 

Die “Super Stearman” ist die Sportversion dieses Flugzeugs. Im Gegensatz zur klassischen Version wurde sie mit einer Motorhaube versehen, trägt eine rot-weiße Lackierung und hat vier Querruder.

 

Bei Boeing liefen die Maschinen übrigens unter der Bezeichnung Model 75, die auch während des Krieges offiziell so beibehalten wurde. Erst später bekamen viele dieser Trainer z.B. die Bezeichnung “PT 17”. Es setzte sich aber auch der Name “Stearman 75” durch. Obwohl ab dem Zeitpunkt der Übernahme auf allen Namensschildern, den Bordbüchern, den Wartungsunterlagen usw. der Name „Boeing“ verwendet wurde, wurden die Flugzeuge von jedermann weiterhin „Stearman“ genannt. In Kanada war dieser Typ primär als “Kaydet” bekannt. Die Maschine bekam auch aufgrund des intensiven Einsatzes für Anfängertraining und der typischen Bemalung den Spitzenname „Yellow peril“ (gelbe Gefahr).

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