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Grumman F-14 Tomcat

überschallschnelles Kampfflugzeug der U.S. Air Force mit Schwenkflügel

Die F-14D(R) Tomcat ist ein zweimotoriges Überschallkampfflugzeug mit variablem Schwenkflügel und zwei Plätzen, hergestellt von der Grumman Aircraft Corporation. Die vielfältigen Aufgaben Navigation, Zielerfassung, elektronische Gegenmaßnahmen (ECM) und Waffeneinsatz werden zwischen dem Piloten und dem Radar Intercept Officer (RIO) aufgeteilt. Zu den Hauptmissionen gehören Präzisionsschläge gegen Bodenziele, Luftüberlegenheit und Flottenluftverteidigung.

 

Als Strike Fighter ist der Tomcat in der Lage, eine Reihe von Luft-Boden-Geschützen (GP-Bomben der MK-80-Serie, LGBs und JDAM) in verschiedenen Konfigurationen einzusetzen und gleichzeitig die Modelle AIM-7, AIM-9 und AIM-7 zu tragen. Die F-14D verfügt außerdem über das LANTIRN-Zielsystem, das den Einsatz verschiedener lasergelenkter Bomben für Präzisionsschläge bei Luft-Boden-Kampfeinsätzen und zur Schadensbeurteilung im Gefecht ermöglicht. Mit ihrem Fast Tactical Imagery-System kann die F-14 während des Fluges Ziel- bzw. Aufklärungsbilder senden und empfangen, um eine zeitkritische Angriffsfähigkeit zu gewährleisten. Diese F-14D ist auch in der Lage, das Tactical Air Reconnaissance Pod System (TARPS) zu tragen, das eine taktische Aufklärung im Einsatzgebiet ermöglicht.

 

Der Tomcat des National Air and Space Museum (BuNo. 159610) wurde als F-14A-85-GR gebaut und war einer der wenigen Tomcats, der Anfang der 1990er Jahre als F-14D(R) modifiziert wurde. Ihm wird ein MiG-Abschuss zugeschrieben, der am 4. Januar 1989 in der Nähe der Küste Libyens erzielt wurde.

 

Am 4. Januar 1989 werden nahe der libyschen Küste zwei VF-32 F-14As mit CAP von der USS John F. Kennedy (CV-67) auf ein Paar libysche MiG-23 Flogger vom Typ Mikojan-Gurewitsch aufmerksam gemacht. Die MiG-23 waren vom Flugplatz Al Bumbaw in der Nähe von Tobruk gestartet. Die F-14 erfassten die MiGs mit ihrem leistungsstarken AWG-9-Radar. Normalerweise führte eine solche Radarerfassung dazu, dass sich die MiGs nach Libyen zurückzogen – nicht dieses Mal. Die Tomcats wurden von den mit AA-7 Apex-Raketen ausgerüsteten Floggern bedroht und erhielten daher die Erlaubnis, die MiGs anzugreifen. Während eines langen, sechs bis acht Minuten dauernden Luftkampfs bedrohten die MiGs weiterhin die Tomcats, und schließlich, nach mehreren Versuchen, der Bedrohung durch das MiG-Radar auszuweichen, wurde das ankommende MiG-23-Paar als feindselig erklärt. Die Besatzung der führenden F-14A, AC202, feuerte eine AIM-7 Sparrow-Rakete ab, die ihr Ziel nicht traf, während die zweite F-14A, AC207 (BuNo. 159610) feststellte, dass sie eine der MiG-23 zerstörte . Die führende F-14 griff erneut die verbleibende MiG-23 an und feuerte eine AIM-9 Sidewinder-Wärmesuchrakete ab, die im Auspuffrohr der Flogger explodierte. Beide MiG-Piloten stiegen sicher aus ihren zerstörten Flugzeugen aus.

Die Grumman F-14 Tomcat ist ein überschallschneller Kampfjet mit Schwenkflügeln, das für die United States Navy entwickelt und ab 1974 eingesetzt wurde. Ihre primären Aufgaben sind die des Luftüberlegenheitsjägers und Aufklärers, sie dient der Flottenverteidigung und für Präzisionsschläge gegen Bodenziele.

 

Die F-14 Tomcat wurde als Ersatz für die McDonnell Douglas F-4F Phantom II beschaft, die von den US-Streitkräften 1986 ausgemustert wurde, aber bei der deutschen Luftwaffe bis heute fliegt (Stand: 2010). Damals galt die Grumman F-14, die acht Luft-Luft-Raketen tragen und mehrere Feindflugzeuge gleichzeitig bekämpfen konnte, als technisches Glanzstück im Rüstungswettlauf mit der Sowjetunion. Als Nacht- und Allwetterjäger für Einsätze gegen Flugzeuge des Ostblocks im Kalten Krieg konzipiert, hat sich die F-14 zum Allround-Flugzeug der US-Marine entwickelt, das von Flugzeugträgern aus sowohl die Luftüberlegenheit sichert und auch Bodenziele angreifen kann. Eingesetzt wurde die F-14 Tomcat u.a. auf dem Flugzeugträger USS Enterprise.

 

Zwei Grumman F-14 holten z.B. 1981 zwei libysche Kampfjets vom Himmel, nachdem sie angegriffen worden waren. Als einziger Exportkunde hatte Iran (früher Persien) 79 Tomcats gekauft – noch vor der islamischen Revolution von 1979. Im Krieg mit dem Irak von 1980 bis 1988 schossen die iranischen F-14 Tomcat zahlreiche Flugzeuge der Luftwaffe Saddam Husseins ab. Noch heute soll das Teheraner Mullah-Regime trotz des US-Embargos über etliche einsatzfähige Grumman F-14 verfügen.

.F-14A TomcatF-14D Tomcat
Besatzung1 Pilot und 1 Radar-Abfang-Offizier1 Pilot und 1 Radar-Abfang-Offizier
Länge:19,10 m19,10 m
Spannweite ausgeschwenkt19,50 m19,50 m
        eingeschwenkt im Flug11,50 m11,50 m
        eingeschwenkt unter Deck10,15 m10,15 m
Höhe:4,80 m4,80 m
Tragflügelfläche:52,49 m²52,49 m²
Flügelstreckung ausgeschwenkt7.287.28
             eingeschwenkt2.582.58
Tragflächenbelastung:Maximal (maximales Startgewicht): 625 kg/m²Maximal (maximales Startgewicht): 642 kg/m²
Leergewicht19.050 kg19.050 kg
Normales Startgewicht:27.215 kg27.760 kg
Maximales Startgewicht:34.019 kg
interne Tankkapazität:7.348 kg7.351 kg
Höchstgeschwindigkeit:Mach 2,37 bzw. 2.517 km/h (auf 10.975 m)Mach 1,88 bzw. 1.996 km/h (auf 10.975 m)
Dienstgipfelhöhe:17.070 m16.154 m
Steigrate:229 m/s244 m/s
Einsatzradius:1.167 km926 km
Flugreichweite:3.220 km2.960 km
Triebwerk:2 x Pratt & Whitney TF30P-412A2 x General Electric F110-GE-400
   ArtMantelstromtriebwerkeMantelstromtriebwerke
Schubleistung:2 × 93 kN mit Nachbrenner2 × 120 kN mit Nachbrenner:
2 × ca. 68 kN ohne Nachbrenner2 × 73,9 kN ohne Nachbrenner
Bewaffnung:ein M61A1 Vulcan-Geschütz mit 675 Schussein M61A1 Vulcan-Geschütz mit 675 Schuss
6.575 kg Waffenlast an zehn externen Pylonen6.575 kg Waffenlast an 10 externen Pylonen

Technische Kurzbeschreibung:

 

  • Rumpf: Ganzmetellbauweise in 3 Teilen: vorn Bug mit Cockpit – Mittelteil mit Tanks und Flügelanbindungen – abgeflachtes Hinterteil – Luftbremse an der Oberseite – 2 Schleudersitze hintereinander.

 

  • Tragwerk: freitragender Mitteldecker in Ganzmetallbauweise mit veränderlichen Flügeln: Vorflügel; Landeklappen; Spoiler – kleine Stützflügel fahren beim Zurückschwenken der Flügel aus.

 

  • Leitwerk: zwei Seitenleitwerke über den Enden der Triebwerkzellen – Kiel-Stabilisierungsflossen unter jeder Triebwerkzelle.

 

  • Fahrwerk: einziehbar – an der Bugstrebe Zwillingsräder – an den Hauptstreben je ein Rad – Fanghaken unter dem Rumpfheck.

Technische Beschreibung:

 

Bei der Grumman F-14 Tomcat handelt es sich um einen zweisitzigen und zweistrahligen Schulterdecker mit einem Tragwerk variabler Pfeilung und doppeltem Seitenleitwerk. Bei der Fertigung wurden primär Leichtmetallegierungen verwendet. An besonders beanspruchten Teilen – wie im Bereich der Schwenkflügel – wurde Titan eingesetzt. Der feststehende Flügelkasten im Tragflächenmittelteil ist eine aus Titan gefertigte Struktur, die auch als Kraftstofftank dient.

 

Die Tragflächen können im Flug von 20 bis 68 Grad geschwenkt werden. Am Boden lassen sie sich auf 75 Grad zurückschwenken, so dass auf Flugzeugträgern ein möglichst geringer Platzbedarf entsteht. Vorteil der Schwenkflügel ist, dass man mit ausgeschwenkten Tragflächen genügend Auftrieb für den langsamen Flug bei Trägerstarts und -landungen zur Verfügung hat, und andererseits mit eingeschwenkten Tragflächen Überschall-Flug erreicht. Nachteilig ist, dass die Schwenkflügel den Jet groß, schwer, kompliziert und teuer machen. Die Tragflächen besitzen Spoiler zur Verbesserung der Manövrierfähigkeit sowie über fast die gesamte Länge Klappen an der Tragflächenhinterkante und Vorflügel an der Vorderkante.

 

Am Heck befinden sich zwei voll bewegliche Heckflossen zur Höhen- und Rollregulierung sowie zwei nach außen abgeschrägte Seitenleitwerke.

 

Das Fahrwerk ist besonders stabil ausgelegt, um harte Trägerlandungen zu ermöglichen. Die beiden hinteren Räder werden in die Tragflächenkästen eingefahren. Das steuerbare Vorderfahrwerk hat Zwillingsbereifung und eine Befestigung für das Flugzeugträger-Katapult. Hinten zwischen den Triebwerksauslässen befindet sich der Fanghaken für die Landung.

 

Die Triebwerke vom Typ Pratt & Whitney (P&W) TF30-P-412 der A- Version sitzen in einzelnen Gehäusen unter dem Rumpf. Hauptgrund für diese Konfiguration war, dass sie gute Luftzufuhr für die Triebwerke sicherstellte und die Triebwerke für Wartungsarbeiten gut zugänglich sind. Die Düsen leisten jeweils 68 kN Trockenschub und 93 kN Schub mit Nachbrenner. Die Lufteinläufe der F-14 sind auf vier verschiedene Querschnitte einstellbar.Unter jedem Triebwerksgehäuse kann ein Außentank mit 1.100 Liter Treibstoff mitgeführt werden.

 

Das Cockpit ist mit zwei Martin-Baker GRU-7A Schleudersitzen ausgerüstet. Die Cockpithaube ist einteilig und wird nach hinten oben geöffnet. Auf der rechten Cockpitseite befindet sich eine einziehbare Sonde zur Luftbetankung.

 

Die erste Maschine startete am 21. Dezember 1970 zu ihrem Jungfernflug. Die US Navy erhielt ihre ersten Flugzeuge ab Oktober 1972. Ende der 1980er Jahre entschied sich die US Navy Teile der F-14 Flotte zu modernisieren. Zur Erprobung der für die F-14D vorgesehenen Ausrüstung wurden zwei F-14A umgebaut. Bei der F-14D wurde gegenüber der F-14A ungefähr 60 Prozent der Avionik erneuert. Die erste F-14D flog am 9. Februar 1990, die Auslieferung begann im November 1990.

 

Seit einiger Zeit wird die Tomcat bei der US-Navy zunehmend von der McDonnell Douglas F/A-18 Hornet ersetzt. Zukünftig sollen dort auch die neuen mit steuerbaren Vektordüsen ausgestatteten Tarnkappenflugzeuge Lockheed Martin F-35 Lightning II eingesetzt werden.

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