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Consolidated B-24D Liberator

viermotoriger schwerer Bomber der USA im Zweiten Weltkrieg

Die Consolidated B-24 Liberator war ein viermotoriger schwerer Bomber des US-amerikanischen Herstellers Consolidated Aircraft, der ab 1943 in Consolidated Vultee umbenannt wurde. Die Maschine war der meistgebaute US-amerikanische Flugzeugtyp im Zweiten Weltkrieg. Von 1940 bis Mai 1945 bauten Consolidated und die Lizenznehmer Douglas, North American und Ford über 18.482 Maschinen. Der Schulterdecker mit Doppelseitenleitwerk war neben der Boeing B-17 Flying Fortress (= fliegende Festung) der wichtigste Horizontalbomber der United States Army Air Forces (USAAF) auf dem europäischen Kriegsschauplatz. Neben seiner Rolle als Bomber wurde das Muster zur Wetterbeobachtung und als Seefernaufklärer bzw. zur U-Boot-Bekämpfung sowohl auf dem europäischen Kriegsschauplatz als auch im Pazifikkrieg eingesetzt.

Gemäß der Ausschreibung der amerikanischen Luftwaffe, die ein Flugzeug mit noch besseren Leistungen als die Boeing B-17 forderte, hatte die Liberator tatsächlich höhere Reichweite und Zuladung als die B-17 Flying Fortress, deren Dienstgipfelhöhe konnte sie allerdings nicht erreichen. Es hatte also keine wesentlich besseren Leistungen als der ältere Bomber. Die B-17 hatte den Ruf, Kampfschäden weit besser zu widerstehen als die neuere B-24, und auch die Jagdflieger der deutschen Luftwaffe hielten die B-24 für vergleichsweise leicht abzuschießen.

 

Im Hinblick auf Maschinenleistung, Stabilität und Steuerung war es also schwächer. Zu verdanken hatte sie dies dem Davisflügel (größere Streckung gegenüber geringerer Tiefe). Dieses Profil sorgte allerdings auch dafür, dass die Langsamflug- und Steuereigenschaften zu wünschen übrig ließen. Das führte dazu, dass es für die B-24 schwieriger war, in engen Formationen, die für den gegenseitigen Feuerschutz wichtig waren, zu fliegen als für die B-17.

 

Bedingt durch die schmalen Davis-Flügel über den großen Bombenöffnungen sah die Maschine etwas merkwürdig, bzw. plump aus. Diese Flügel waren für den Marschflug wirtschaftlich und gaben der Maschine zusammen mit dem großen Treibstoffvorrat eine größere Reichweite, als sie jedes andere Landflugzeug jener Tage hatte. Das an den Tragflächen befindliche Hauptfahrwerk des Hochdeckers war so lang, dass es durch Elektromotoren nach außen eingezogen werden mußte, wie auch sonst fast alles an Bord elektrisch angetrieben wurde.

 

Es war auch das komplizierteste und teuerste Flugzeug, das man bis dahin kannte, doch gerade dadurch zeigte es, wie sich die Dinge künftig entwickeln würden. Trotzdem wurde es in größeren Stückzahlen gebaut als jedes andere amerikanische Flugzeug, in mehr Versionen für mehr Aufgaben als jedes andere Flugzeug der Geschichte, und es wurde von allen Alliierten an allen Fronten eingesetzt. In Bezug auf den industriellen Aufwand übertraf es alles bisher Dagewesene.

 

Der Erstflug (XB-24) war am 29. Dezember 1939, die Erstlieferung (LB-30A) im März 1941. Der erste Einsatz der Liberator I fand im Juni 1941 durch England statt, der erster Kampfeinsatz der US Army (B-24C) im November 1941. Produktionsende war am 31. Mai 1945. Die Gesamtproduktion erreichte ca. 19.200 Stück. Ihre Erfolge waren entsprechend. Die Außerdienststellung bei mehreren kleineren Luftwaffen endete 1955-56.

Länge20,50 m
Spannweite33,55 m
Höhe5,49 m
Antrieb4 x Pratt & Whitney
.R-1830-65 Twin Wasp
ArtDoppelsternmotore
Zylinder14
Leistungje 1.200 PS
Höchstgeschwindigkeit490 km/h in 9.150 m Höhe
Normale Reichweite3.360 km mit Bomben
Besatzung12 Mann
Dienstgipfelhöhe8.550 m
Leergewicht17.250 kg
Fluggewicht28.800 kg
BewaffnungZehn 12,7 mm MGs,
.bis zu 5.450 kg-Bomben

Geschichte, Nutzung und Varianten:

 

Frühe an die RAF gelieferte Versionen waren nicht im Krieg einsatzfähig und übernahmen daher zunächst als LB-30A den Atlantiktransport. Der RAF Liberator I hatte bessere Abwehrwaffen und wurde von der Küstenverteidigung mit Radar und einer starr eingebauten Batterie von 20 mm-Kanonen eingesetzt. Der RAF Liberator II bekam angetriebene Kampfstände und diente als Bomber in Mittelost.

 

Erst die B-24 D wurde in Großserien mit Kompressormotoren in ovalen Abdeckungen, größeren Tanks, besserer Bewaffnung und vielen Detailänderungen gebaut. Die US Bomberverbände in Europa und im Pazifik erhielten ca. 2740 Maschinen. Die Küstenverteidigung der RAF schloß damit die Verteidigungslücke im Mittelatlantik, wo vorher die U-Boote außerhalb der Flugzeugreichweite lauerten.

 

Die größten Zahlen erreichten die B-24 G, B-24 H und B-24 J (Bezeichnungen: Navy PB4Y, RAF B VI und GR VI), von denen 10208 gebaut wurden. Diese hatten vier Kampfstände und wurden bei Convair, North American, Ford und Douglas produziert. Andere Versionen waren die B-24 L und B-24 M mit unterschiedlichen Heckständen. Die B-24 N war mit einem Seitenleitwerk ausgestattet. Die CB-24 war ein Befehlsflugzeuge, die TB-24 ein Schulflugzeuge, die F-7 ein Photoaufklärer, die C-109 ein Tanker und die OB-24 ein Zielflugzeuge. Es gab auch eine ganze Familie von Liberatorfrachtern, beim Heer unter der Bezeichnung C-87 Liberaler Express, bei der Marine RY-3 und bei der RAF unter C VII und C IX geführt.

 

Unter der Bezeichnung Consolidated C-87 wurde das Muster außerdem als Passagier- und Frachtflugzeug eingesetzt.

 

Eine verbesserte Variante der B-24 wurde für die US Navy als Consolidated PB4Y Privateer hergestellt. Sie war ein Langstreckenpatrouillenbomber, der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs im Pazifik einsetzt wurde.

 

Die Konstruktion erfolgte unter Verwendung von Rumpf und Tragflügel der Consolidated B-24 Liberator. Von dieser unterschied sich die Privateer durch ein einfaches Seitenleitwerk, sowie eine geänderte Bewaffnung. Der kugelige Kampfstand an der Rumpfunterseite entfiel, dafür waren zwei Drehkuppeln auf der Rumpfoberseite vorhanden plus zwei Rumpfseitenstände. Daneben gab es je einen Drehturm im Bug und im Heck, so dass insgesamt zwölf 12,7-mm-MGs vorhanden waren. Im vorderen Rumpfsegment waren verschiedene Radarantennen zur Seeraumüberwachung eingebaut. Der Prototyp flog erstmals am 20. September 1943. Es wurden insgesamt 740 „Privateer“ gebaut.

Bewaffnung: (Angaben für B-24 J Liberator B VI)

10 x 12,7 mm Brownings in vier elektrisch angetriebenen Ständen mit je zwei MGs und je ein manuell zu bedienendes an jeder Seite (Door-Gunner). Zwei Bombenschächte mit Rolltüren und vertikalen Aufhängungen links und rechts des Laufstegs für bis zu ca. 3630 kg Bomben. Statt dessen können zwei 1815 kg-Bomben an den Stationen unter den inneren Flügeln getragen werden.

Der Pratt & Whitney R-1830 Twin Wasp ist ein luftgekühlter Flugmotor mit 14 Zylinder des US-amerikanischen Herstellers. Er war der zweite Doppelsternmotor mit 2 × 7 Zylinder aus der Wasp-Motorenreihe des Unternehmens. Die Serienproduktion lief von 1932 bis 1951, wegen des großen Bedarfs im Zweiten Weltkrieg auch als Lizenzbau unter anderem bei der Chevrolet- bzw. Buick-Division von General Motors. Mit 173.618 gefertigten Exemplaren ist der R-1830 der meistgebaute Kolben-Flugmotor. Um eine Maximalleistung von über 1000 PS zu erreichen, benötigt der R-1830 Twin Wasp Flugbenzin mit der höchsten Oktanzahl, also Avgas 100.

Der Flugzeugmotor wurde in vielen Flugzeugen eingesetzt, so zum Beispiel in der Consolidated B-24 Liberator, der Martin A-22 Maryland, der Douglas DC-3 bzw. in deren Militärversionen C-47 Skytrain und C-47 Dakota, der Consolidated PBY Catalina und der Grumman F4F Wildcat sowie in britischen Flugzeugen wie der Short S. 25 Sunderland und der Bristol Beaufort.

Technische Daten: (R-1830-86)

    Typ: luftgekühlter 14-Zylinder-Viertakt-Doppelsternmotor mit Aufladung
    Bohrung: 139,7 mm
    Hub: 139,7 mm
    Hubraum: 30,2 Liter
    Verdichtung: 6,1:1 bzw. 6,5:1 (je nach Version)
    Masse: 528–667 kg
    Leistung: 1200 PS (895 kW) bei 2400/min
    maximale Drehzahl: 2700/min
    Leistungsgewicht: 0,49 kg/PS (bei 667 kg Masse)
    Bauzeit: 1932–1951

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